Ursprünglich als Bürgerforum und ergebnisoffene Veranstaltung geplant, verkam das Hafenforum in der zweiten Runde am 26.11.2010 zu einer übermoderierten Vorstellungsrunde, in der Interessensgruppen die Möglichkeit bekamen Vorbehalte zu ihren Visionen aus dem Weg zu räumen.

So stellte Stadtwerke-Geschäftsführer Dr. Henning Müller-Tengelmann klar, dass Flächen am Stadthafen 1 Süd für den Ausbau des Kraftwerks benötigt werden und – mit Blick auf den Bebauungsplan – allemal Gewerbe in der Nachbarschaft vorstellbar sei. Aufgrund der Emmissionen sah er keinen Raum für Freizeit, Sport oder Kunst, wie sie von vielen Anregungen gewünscht werden.

Max Stroetmann stellte den Bau von Wohnraum und Parkflächen heraus, um Kritik am geplanten Einkaufszentrum den Wind aus den Segeln zu nehmen. Auf Einwände zur dann geschaffenen Überversorgung und dem damit einhergehenden Verdrängungswettbewerb wurde nicht eingegangen. Die Nichtbeachtung des vorhanden Rewe in unmittelbarer Nachbarschaft im Gutachten von Junker und Kruse konnte sich die Moderatorin nicht vorstellen und beendete den Diskussionsbeitrag der offensichtlich gut informierten Bürgerin. Selbst zu erwartende Probleme mit dem Individualverkehr auf Hansaring, Schillerstrasse und Hafenweg sah Stroetmann nicht und wies auf eine geplante Ampelanlage hin, die den Verkehr am Ballungspunkt ordnen soll.

Zwar wurden die Ergebnisse des ersten Hafenforums vom 30.09.2010 vorgestellt, viele Vorschläge und Kritikpunkte wurden jedoch nur am Rande erwähnt. Ob dies nur dem engen Zeitrahmen geschuldet war oder mit Blick auf vermeintlich gewinnbringende Großprojekte einige Beiträge einen geringeren Stellenwert bekommen sollten, mag dahingestellt sein.

„Ich habe viele Bedenken und Ideen vermisst, die bei der ersten Veranstaltung gesammelt wurden.“ merkt Pascal Powroznik, Ratsherr der PIRATEN, an. „Dem Bürger wurde mit dem Hafenforum mehr versprochen, als es sich hier momentan darstellt.“

Auch wenn neben Vertretern der Stadt Münster, der Stadtwerke, Stroetmann und Architekten die Vereinsvorsitzenden von „Mehr Lebensqualität für Hansa und Hafen“ e.V. Thomas Krabbe und Detlef von Rüden vom Verein „MS Hafen“ e.V. augenscheinlich alle Interressensgruppen vertreten waren, mussten Teilnehmer den Eindruck bekommen, dass die Veranstaltung der Idee einer ergebnisoffenen Diskussion zwischen Bürger und Investoren nicht folgen konnte.

Zusammenfassend ist festzustellen, dass sich Bürger sehr wohl Gedanken zur Entwicklung am Hafen gemacht haben und auch Veränderungen und der weiteren Entwicklung des Bereichs aufgeschlossen gegenüberstehen. Am Abend entstand wieder mal der Eindruck, dass den fertigen Plänen der Investoren der Vorzug gegeben wird; der Bürgerwille wird gehört aber nicht mit einbezogen.

Die Piratenpartei Münster steht für direkte Bürgerbeteiligung ein und fordert von den Beteilgten in Politik und Wirtschaft, dass die Interessen der Anwohner gewürdigt und Bedenken ernst genommen werden.

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