Anregung des Integrationsrates an den Rat AIR/0001/2011:

Der Integrationsrat hat in seiner Sitzung am 04.05.2011 folgende Anregung an den Rat einstimmig beschlossen:

„Der Rat möge beschließen:
Bei der finanziellen Förderung von Einrichtungen durch die Stadt Münster sollen diese nach Möglichkeiten zunehmend Personal mit Migrationsvorgeschichte beschäftigen.
Die Personaleinstellungen sollen auf allen Ebenen erfolgen, d.h. sowohl bei der Vergabe von einfachen Aufgaben, als auch bei der Einstellung von Fachpersonal.“

Da ich nicht im Hauptausschuss sitze, habe ich meine folgende Meinung der Verwaltung und den Geschäftsstellen der Ratsparteien mitgeteilt:

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Anregung AIR/0001/2011 „Einstellung von Menschen mit Migrationsvorgeschichte bei Einrichtungen, die durch die Stadt Münster finanziell gefördert werden“ [1] des Integrationsrates wurde in der letzten Ratssitzung am 25.05.2011 nicht diskutiert. Ich bitte Sie meine folgende Stellungsnahme zum Thema an die entsprechenden Ausschussmitglieder weiterzuleiten.


Im Integrationsrat habe ich mich hierbei enthalten. Über die gutgemeinte Intention der Anregung müssen wir hier nicht diskutieren, wohl aber darüber, was ein solcher Vorschlag bringen soll oder überhaupt bringen kann.
1. Wie soll es denn dann in der Praxis aussehen. Die Stadt schreibt vor bzw. versucht vorzuschreiben wen eine Einrichtung/ ein Unternehmen einstellen soll, geht das nicht zu weit? Bekommen dann Einrichtungen keine Förderung, weil die Stadt meint, sie hätten zu wenige Migranten, obwohl sie ihr bescheinigt eine Förderung wäre eigentlich sinnvoll?
2. Wie ist Personal mit Migrationsvorgeschichte überhaupt definiert, werden dann Tests durchgeführt oder ein Kriteriumkatalog entwickelt?
3. Ein Vergleich: Ich kann natürlich fordern, dass Lebensmittel ohne Gentechnik oder Häuser klimaneutral hergestellt werden. Ich kann hier über die Produktionsweise – über das wie – mitbestimmen. Ich kaufe nicht nur einen bestimmten Tee, weil es ein Tee ist, sondern weil er ein „fair gehandelter“ oder ohne den Einsatz von Gentechnik hergestellt wurde. Wenn ich jetzt aber eine Einrichtung beauftrage etwas bestimmtes zu tun, zum Beispiel ein Haus bauen, eine Dienstleistung ausführen oder auch Kindern bei den Hausaufgaben zu helfen, dann mache ich es weil sie es gut oder sogar sehr gut kann, weil sie fähiges Personal hat. Aber nicht weil sie aus unserer Perspektive evtl. Personal mit Migrationsvorgeschichte habe. Mir ist es egal wer das Haus gebaut hat, solange es klimaneutral gebaut ist. Mir ist egal wer den Tee angebaut hat, solange es unter fairen Bedingungen geschah. Und mir is egal wer meinen Kindern Lesen & Rechnen beigebracht hat, solange sie es danach können.
-Ist diese Anregung nicht in Wirklichkeit auch schon eine Diskriminierung aller Beteiligten wie Arbeitnehmer und Arbeitgeber, egal ob mit oder Migrationshintergrund?
Wegen allen diesen offenen problematischen Fragen werde ich gegen diesen Vorschlag stimmen.

Viele Grüße
Pascal Powroznik

[1] http://www.stadt-muenster.de/ratsinfo/00001/vo_2004033215.htm

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